Sehr geehrter Herr Schmid, vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Bereitschaft, unsere Leser über Ihre eindrucksvolle Syrienreise vom 30. September bis 3. Oktober 2025 zu informieren. Als junger bayerischer Landtagsabgeordneter der AfD haben Sie sich entschieden, Syrien als „normaler Besucher“ fernab von Protokollen zu bereisen. Was war Ihre zentrale Motivation für diese Reise – persönliche Neugier, politische Mission oder symbolische Geste?

Schmid: Es war eine Mischung aus allem – persönlicher Neugier, politischem Interesse und auch eine gewisse Abenteuerlust. Ich wollte mir ein eigenes, unverfälschtes Bild von der Lage vor Ort machen. In Deutschland hört man seit Jahren immer dieselben Schlagzeilen: Syrien sei vollkommen unsicher, das ganze Land ein einziges Kriegsgebiet, wer dorthin reise, begebe sich in Lebensgefahr. Doch ich wollte nicht länger nur Berichte aus zweiter Hand oder politisch gefilterte Einschätzungen lesen – ich wollte sehen, wie die Menschen dort tatsächlich leben.

Mich hat vor allem die Situation der Christen interessiert. Syrien gilt als Wiege des Christentums – Orte wie Maaloula oder Saidnaya gehören zu den ältesten christlichen Stätten der Welt. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie die Gemeinden dort nach Jahren des Krieges leben, wie sie ihren Glauben praktizieren und welche Perspektiven sie haben. In Deutschland wird darüber kaum gesprochen, dabei sind viele dieser Christen trotz aller Härten geblieben – sie halten an ihrem Land fest, an ihrer Heimat, an ihrem Glauben.

Natürlich war auch eine politische Komponente dabei: Ich halte es für notwendig, daß sich Politiker – gerade aus Deutschland – ein unmittelbares Bild verschaffen, statt ausschließlich den Einschätzungen internationaler Organisationen oder westlicher Medien zu vertrauen. Die deutsche Außenpolitik sp“richt von einem Land, das man „sofort verlassen“ müsse. Vor Ort habe ich jedoch eine andere Realität erlebt: stabile Regionen, funktionierende Städte, ein Wiederaufbau, der langsam, aber sichtbar vorangeht.

Sie sprechen von einem „sicheren“ Syrien, Einheimische und Rückkehrer bestätigten Ihnen die geringe Kriminalität. Welche Geschichten oder Begegnungen unterstreichen, daß Syrien ein normales Leben ermöglicht, und warum wird dies in westlichen Medien ignoriert? Welche konkreten Beobachtungen in Tartus, Homs oder Damaskus verdeutlichen diese Stabilität?

Schmid: Ich werde in Kürze auf meinem YouTube-Kanal eine Dokumentation über unsere Syrien-Reise – wir waren eine kleine Gruppe von Freunden – hochladen. Ich versuche es hier mal in der Kurzversion: Sie können in Tartus in Bars Bier trinken oder über den Markt von Damaskus schlendern. Beide Städte sind vom Krieg verschont geblieben. Sie würden keinen Unterschied merken zu Italien oder Griechenland. Das syrische Bier schmeckt übrigens sehr gut. Nur in Homs und Maaloula haben wir einige zerstörte Häuser gesehen. Da wir miteinander Deutsch sprachen, wurden wir ein halbes Dutzendmal von Syrern angesprochen, die selbst Deutsch sprechen – eben, weil sie in Deutschland leben oder gelebt haben. Manche von ihnen machen Urlaub in Syrien und haben uns gesagt, daß sie anschließend wieder nach Deutschland fliegen werden. Andere wollen aber in ihrer Heimat bleiben. Das beweist doch alles, daß es sicher ist! Die Mainstreammedien zeigen dieses Bild gar nicht oder sehr selten. Die wollen den Bevölkerungsaustausch irreversibel machen. Ein sicheres Syrien, in das man abschieben kann, paßt denen nicht ins Konzept.

Wie würden Sie die Stimmung der Bevölkerung beschreiben – war sie von Resignation, Hoffnung oder bloßer Anpassung geprägt? Vertrauen die Menschen den aktuellen staatlichen Institutionen unter der neuen Regierung?

Schmid: Die Stimmung ist gelöst. Man sieht überall lachende Gesichter. Es herrscht eine Art Aufbruchstimmung. Übrigens sieht man sehr viele Frauen – etwa ein Viertel von ihnen ohne Kopftuch. Man ist aber trotzdem vorsichtig mit Meinungsäußerungen über die neue Regierung. Immerhin war der jetzige Präsident Islamist der Al-Nusra-Front. Die Regierung gibt sich aber gemäßigt. Christen können weiter Gottesdienste abhalten. Es gibt, wie gesagt, kein Kopftuchzwang. Biertrinken auf der Straße ist allerdings verboten.

Inwiefern sehen Sie Ihre Eindrücke im Widerspruch zu den Einschätzungen internationaler Organisationen, die Syrien weiterhin als unsicheren und instabilen Staat einstufen?

Schmid: Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch – höchstens zwischen der Realität und der ideologisch gefärbten Wahrnehmung westlicher Organisationen. Wenn ich lese, was sogenannte „Menschenrechtsorganisationen“ wie Pro Asyl oder Human Rights Watch verbreiten, dann frage ich mich ernsthaft, ob deren Mitarbeiter jemals selbst einen Fuß nach Syrien gesetzt haben. Diese Berichte sind reine Schreibtischprodukte, politisch gewollt, von Drittquellen zusammengeschrieben und oft zehn Jahre alt.

Interessant ist auch: dieselben Staaten, die Syrien jahrelang isoliert haben, öffnen jetzt wieder ihre Botschaften in Damaskus. Die Vereinten Nationen, die WHO, das Welternährungsprogramm – sie alle arbeiten längst wieder regulär im Land. Aber ausgerechnet Deutschland hält weiter an einem politisch motivierten Feindbild fest, um Abschiebungen zu verhindern und das Asylsystem künstlich am Leben zu halten.

Das alles zeigt: Diese Einschätzungen sind nicht objektiv, sondern Teil eines politischen Spiels. Wer die Wahrheit wissen will, muß hinfahren – und nicht von Brüssel, Berlin oder New York aus urteilen. Die Syrer leben heute sicherer als viele Menschen in unseren deutschen Großstädten. Das ist die Realität, auch wenn sie manchem Ideologen in Berlin nicht paßt.

Wie schätzen Sie die Rolle des ehemaligen Präsidenten Assad ein – war er Ihrer Meinung nach ein Garant für Stabilität, der Minderheiten wie Christen und Alawiten schützte, oder trug seine Regierung zur Abwanderung vieler Syrer bei? Ist Syrien heute tatsächlich friedlicher und sicherer als zu Assads Zeiten?

Schmid: Ich sehe mich als bayerischen Landespolitiker. Abschieben ist Ländersache. Markus Söder und Joachim Herrmann wären zuständig. Und nichts geht voran! Ich werde das Thema in den Landtag tragen und das alles öffentlich machen. Zu Syrien unter Assad kann ich mich nur schwer äußern, weil ich heuer das erste Mal dort war. Und ich kann nur sagen, daß Syrien schön und sicher ist.

In Deutschland werden syrische Migranten oftmals mit Clan-Kriminalität in Verbindung gebracht. Haben Sie in Syrien Hinweise darauf gesehen, daß die dortige Gesellschaft solche Probleme besser kontrolliert, und wenn ja, wie?

Schmid: Ich habe in Syrien nirgendwo Gewalt oder Kriminalität gesehen. Lediglich einmal war es ein wenig brenzlig, weil wir, ohne es zu wissen, über eine militärische Absperrung in Form eines ausgekippten Erdwalls auf einer Landstraße geklettert waren. Ein Motorrad mit zwei Milizionären und Kalaschnikow raste auf uns und schickte uns weg. Verständlich, man klettert ja auch nicht über einen Zaun der Bundeswehr. Aber, um auf die Frage zurückzukommen: Nein, keine Hinweise auf Clankriminalität oder ähnliches.

Welche Perspektive sehen Sie für den Wiederaufbau Syriens, und welche Rolle sollte Ihrer Meinung Deutschland dabei spielen, wenn es um Rückkehr und Investitionen geht?

Schmid: Syrien braucht dringend Arbeitskräfte. Es wird viel gebaut und leider habe ich auch sehr junge Jugendliche, vielleicht 13 Jahre alt, gesehen, die arbeiten mußten. Syrien leidet auch darunter, daß dieses falsche Bild des angeblich unsicheren Landes im Westen gezeichnet wird. Dadurch geht der Volkswirtschaft der wichtige Sektor Tourismus vollkommen ab. Remigration von Syrern aus Deutschland nach Syrien würde allen helfen. Dafür werbe ich.

Wie bewerten Sie die Rolle Rußlands, des Iran sowie des Westens im heutigen Syrien?

Schmid: Rußland, der Iran und der Westen verfolgen in Syrien jeweils eigene strategische Interessen – und Deutschland wäre gut beraten, sich da nicht hineinzuziehen. Rußland hat in Syrien seit Jahrzehnten feste militärische Strukturen, insbesondere den Marinestützpunkt in Tartus und den Luftwaffenstützpunkt in Hmeimim. Diese Präsenz sichert Moskau Einfluß im Mittelmeerraum und Stabilität im Verhältnis zur syrischen Regierung.

Der Westen dagegen agiert widersprüchlich: Einerseits spricht man in Washington, Brüssel und Berlin von Demokratie und Menschenrechten, andererseits halten amerikanische Truppen nach wie vor Ölfelder im Osten Syriens besetzt.

Aus deutscher Sicht ist das alles kein Konflikt, in den wir uns einmischen sollten. Wir haben weder dortige Interessen noch eine historische Verpflichtung. Unser Ziel muß es sein, Stabilität zu fördern, aber aus sicherer Distanz. Dazu gehört auch, daß wir endlich zu einer realistischen Syrienpolitik zurückkehren: Es kann nicht sein, daß Syrer hier dauerhaft bleiben, während gleichzeitig andere Staaten längst wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen und ihre Botschaften in Damaskus geöffnet haben.

Wir haben genug eigene Probleme – von der inneren Sicherheit über Wohnungsknappheit bis zur Überlastung der Sozialsysteme. Die deutsche Politik muß sich an deutschen Interessen orientieren, nicht an Ideologie oder Träumereien. Syrien braucht Stabilität, Ordnung und Wiederaufbau – und wir brauchen eine Politik, die endlich wieder den Mut hat, Realitäten anzuerkennen, statt Illusionen zu pflegen. Das bedeutet für mich: Abschieben nach Syrien im großen Stil, und zwar jetzt!

Herr Schmid, vielen Dank für das Gespräch.

Franz Schmid (* 4. Oktober 2000 in Augsburg) ist ein deutscher Politiker der AfD. Seit der Landtagswahl 2023 ist er Mitglied des Bayerischen Landtags (eingezogen über die Landesliste, Stimmkreis Neu-Ulm). Er trat 2019 der AfD bei, ist seit 2020 Kreistagsmitglied im Landkreis Unterallgäu und seit 2021 Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Neu-Ulm. Zudem bekleidete er als stellvertretender Landesvorsitzender in Bayern und ehemaliger Bundesschatzmeister Führungspositionen in der Jungen Alternative (JA), dem ehemaligen Jugendverband der AfD.