Ein Bund an nunmehr vier Orten: Bericht über die Erweiterung des Schwarz-Weiß-Roten Kartells
von dem Altherrenverband der Erlanger Burschenschaft Frankonia
Im Kalendarium eines Burschenschafters gibt es einige wiederkehrende Veranstaltungen wie Antritts- oder Abschlußkneipen, Stiftungsfeste und Gründungstage. Ab und zu ergeben sich aber auch Ereignisse, welche man mit Recht als historisch bezeichnen kann – und ein solches versprach das Wochenende vom 17. bis 19. Oktober 2025 zu werden.
Ein Abriß der Kartellgeschichte
Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand zwischen der Burschenschaft Germania, damals in Halle, und der Burschenschaft Frankonia Erlangen ein stärker werdendes Band burschenschaftlicher Freundschaft. Dieses wurde durch zahlreiche Doppelmitgliedschaften bestärkt und belebt. Als der Franke Georg Hagen im Sommersemester 1913 nach Halle zog, um die dortige Germania als Stützbursch zu stärken, gab dies den Impuls, das erwachsene Verhältnis als ein Kartell zu konstituieren. Doch zunächst unterbrach der aufziehende Weltkrieg, welchem man sich mit wehenden Fahnen anschloß, die Kartellverhandlungen.
Nach dem Weltkrieg konnte in Marloffstein bei Erlangen – ein früher gern genutztes Dorf für Ex-Bummel, die Franken waren mit der Marloffsteiner Dorfgemeinschaft gut bekannt – am 29. August 1919 die Urkunde des Schwarz-Weiß-Roten Kartells zwischen Germania und Frankonia unterzeichnet werden. Die beiden Bünder schlossen sich damit „in enger Verbindung“ zusammen, mit dem Gelübde, für Ehre und Freiheit des Vaterlandes einzustehen und um „durch die alten Reichsfarben zu zeigen, daß sie in der Betätigung des völkischen Gedankens, seiner Vertiefung und Verbreitung [die] Hauptaufgabe der Deutschen Burschenschaft erblicken“. Das Kartell wurde darauf eifrig gepflegt: Gegenseitige Bandaufnahmen und Stützburschen, ein geschlossenes Auftreten auf dem Burschentag, die Zusammenarbeit der beiden Altherrenvorsitzenden. Die Stiftungsfeste feierte man abwechselnd in Halle und Erlangen – bis der erneute Weltenbrand des Zweiten Großen Krieges auch die Aktivität im Kartell zum Erliegen brachte und erneut vieler tapferer Herzen Opfer forderte.
Nach dem Kriege
Als sich Alte Herren der Germania Halle am 28. Januar 1949 wieder zusammenfanden, mußten Fragen des weiteren Verbleibens der Burschenschaft geklärt werden: Halle lag in der durch den Sowjetkommunismus besetzten Zone. Um ein Fortexistieren zu sichern, vollzogen die Hallenser Germanen bei nächster Gelegenheit (Altherrentag 1949) eine Vereinigung mit der Hamburger Burschenschaft Germania. Zu dieser bestand ein sehr freundschaftliches Verhältnis, hatte man doch an der Gründung im Jahre 1919 noch aus Halle mitgewirkt. Bei dem Zusammenschluß behielten beide Altherrenverbände ihre Unabhängigkeit, man unterhielt jedoch eine gemeinsame Aktivitas in Hamburg. Ebenfalls im Bunde war die heimatlose Altherrenschaft der Breslauer Arminen, zu welcher die Hamburger Germanen seit den 1930er Jahren freundschaftliche Bande pflegten. Dementsprechend waren es auch diese drei Burschenschaften, welche sich mit Frankonia Erlangen an der Wiedergründung des Kartells, zunächst unter dem Namen Ost-Westdeutscher Bund, beteiligten.
Nachdem die Breslauer Arminen bereits 1953 aus dem Bunde austraten, um sich der Alten Breslauer der Raczeks, damals wie derzeit zu Bonn, anzuschließen, schied zu Ostern 1959 auch Germania Halle aus dem Zusammenschluß aus. Freilich trennte man sich im Guten, war man doch bestrebt, den Hochschulort Mainz gemeinsam für das Kartell zu erschließen. Mit der Begründung einer neuen Aktivitas in der Heimatstadt des Buchdrucks bestand das Kartell nunmehr aus drei Aktivitates und drei Altherrenverbänden und trug (bereits wieder seit 1954) den Namen Schwarz-Weiß-Rotes Kartell.
Die unerwartete, wenn auch sehnlich erhoffte, teilweise Wiedervereinigung des Deutschen Vaterlandes 1989/1990 brachte neue Perspektiven in das Kartell. Schnell stellte sich die Frage, ob Germania Halle (zu Mainz) zum alten Hochschulort zurückkehren wolle und solle. Zur Überraschung der Kartellbrüder in Erlangen und Hamburg entschied sich Germania Halle schlußendlich, in Mainz zu verbleiben und auf absehbare Zeit nicht nach Halle zurückzukehren. Vorerst konnte der angestammte Heimatort Halle also nicht für das Schwarz-Weiß-Rote Kartell gewonnen werden.
Das Sehnen nach der „Alten Musenstadt“ an der Saale, welches auch aus den Überlegungen um die Rückkehr von Germania Halle wieder aufflammte, wollte sich in Hamburg und Erlangen dennoch nicht gänzlich abstellen. Auf Initiative der beiden Kartellbünder kam es daher zur Gründung der neuen, jungen Burschenschaft Franco-Germania Halle am 11. September 1993. Für burschenschaftliches Leben, welches wohl gerade in der Harmonie von mutiger Aktivitas und starkem Altherrenbund begründet wird, kam eine neugewonnene Freundschaft zu den Alten Leobener Germanen wie gerufen, welche in Clausthal ihrerseits kaum Möglichkeiten zur Reaktivierung fanden. Die Fusion zur Halle-Leobener Burschenschaft Germania beschied somit beiden Bündern neue Stärke, insbesondere aber dem burschenschaftlichen Leben in Halle.
Immer wieder kam es in den nachfolgenden Jahren zur Diskussion um eine Erweiterung des Kartells durch die HLB! Germania. Ein stetiges und enges Verhältnis des Kartells nach Halle, sowie das innige Engagement von Vorsitzenden in Halle und im Kartell führte, beseelt besonders durch die Feierlichkeiten zum 100. Kartellstiftungsfest 2019, zum Beschluß aller Kartellburschenschaften, die Halle-Leobener Burschenschaft Germania in das Schwarz-Weiß-Rote Kartell aufzunehmen und damit den Hochschulort Halle an der Saale nach mehr als 85 Jahren wieder für das Kartell zu reaktivieren.
Ein frohes Fest
Für die Feierlichkeiten hätte es kein besseres Datum als das Wochenende des 18. Oktober und keinen besseren Ort als die Wartburgstadt Eisenach geben können. Es war deshalb auch obligatorisch für viele Kartellbrüder, den Gang von der Göpelskuppe zur Wartburg hin gemeinsam zu bestreiten. Wie auch zu den Burschentagen der jüngeren Vergangenheit wurde hier kein offizieller Festakt begangen – ein Verdruß, dessen Behebung möglicherweise in der Zukunft wieder für uns Burschenschafter möglich sein könnte.
Ebenfalls analog zum Burschentag der Deutschen Burschenschaft kamen wir vor dem Kommers zu einem Festakt am Burschenschaftsdenkmal zusammen. Das Singen des Burschenschafterliedes, welches wir für diesen Anlaß wählten, erzeugt in unseren Augen, wie wohl auch in den Augen vieler Verbandsbrüder, eine ganz besondere Stimmung des burschenschaftlichen Miteinanders, wie es nur ein starker deutscher Männerchor vermag.
Den zum krönenden Abschluß gefeierten Kommers kann man sicherlich als ausgelassen bezeichnen. Die von allen Sprechern und Altherrenvorsitzenden unterschriebenen Exemplare der neuen Kartellurkunde stellten neben zahlreichen Worten in schwelgender Erinnerung wohl den Höhepunkt des Abends dar. Wohl selten konnte das Berghotel so viele Burschenschafter aus nur vier Bündern und einem Kartell begrüßen. Und wohl selten hätte bei einem außenstehenden Beobachter, ob eingeladen oder ungebeten, mehr Verwirrung ob der Zuordnung zur jeweiligen Burschenschaft entstehen können – denn besonders zum Anlaß dieser Kartellerweiterung war die Freude und die Lust zur Tradition des „kartellbrüderlichen Mützentauschs“ groß wie fast nie!
Es ist erfreulich und erstaunlich, daß in der heutigen Zeit, in welcher alle Bünder unter Mitgliedermangel leiden, sich zunehmend Burschenschaften, aber vor allem andere Verbindungen und Vereine vertagen oder auflösen müssen, wir freudig eine Erweiterung unserer Organisation als SWR-Kartell begehen dürfen. Es ist der Arbeit vieler aufrechter und treuer Burschenschafter zu verdanken, daß heute burschenschaftliches Leben im Kartell, in der Deutschen Burschenschaft auch in Halle an der Saale existieren kann, wo es zu weiten Teilen des letzten Jahrhunderts mitnichten möglich war.
So bleibt der Eindruck von der eingangs erwähnten, wohl einmaligen Veranstaltung verhaftet, an welche man sich gut und gerne erinnert. Und auch, wenn sich die Bedeutung vornehmlich nach innen, in unser Kartell hinein richtet, ergibt sich doch eine Bedeutung für die gesamte Deutsche Burschenschaft: Als unsere lieben Erlanger Burschenschaft Frankonia zum Burschentag 2025 die Kandidatur um den Vorsitz für die DB im Geschäftsjahr 2026 antrat, und uns diese Ehre, auch durch eben jenen Burschentag, zuteilwurde, taten wir dies, bewußt und explizit auch als Schwarz-Weiß-Rotes Kartell. Wir streben, der Deutschen Burschenschaft Stabilität zu verleihen und sind gerne bereit, Aufgaben, welche die Deutsche Burschenschaft an uns richtet, zu übernehmen. Wir wünschen den Bundes- und Kartellbrüdern daher viel Erfolg bei dieser Aufgabe und unserem Kartell sowie der Deutschen Burschenschaft ein tapferes und treuliches Fortbestehen.
Heil Deutsche Burschenschaft! Heil Kartell!


